Große Bereitschaftsübung in Bielefeld-Quelle

 

Die Feuerwehr Bielefeld bildet die „Bereitschaft 1 - Bielefeld“, eine der 5 Bereitschaften der Bezirksregierung Detmold, die innerhalb kürzester Zeit zu Katastrophen, wie z.B. großflächigen Waldbränden, Explosionsunglücken oder Hochwasser- bzw. Sturmschäden, regional oder landes- bzw. bundesweit zur vorgeplanten überörtlichen Hilfe größeren Umfangs eingesetzt werden kann. Dieses Einsatzkonzept ermöglicht es den Kommunen sich gegenseitig schnell, koordiniert und landesweit vergleichbar mit einer großen Anzahl an Einsatzkräften zu unterstützen. Die Bereitschaft Bielefeld besteht aus einer Bereitschaftsführung, 4 Löschzügen und einer Einsatzeinheit der Johanniter-Unfall-Hilfe, zu denen ca. 150 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner zählen.

Theoretisch soll im zeitlichen Abstand von jeweils zwei Jahren eine spezielle Großübung für die Einheiten der Bereitschaft Bielefeld ausgerichtet werden. Da die Bereitschaft Bielefeld in den letzten Jahren jedoch mehrfach zu realen Einsätzen angefordert wurde, wie z.B. im Jahr 2013 beim Hochwasser in Schönebeck (Elbe) im Land Sachsen-Anhalt oder im Jahr 2014 beim orkanartigen Unwetter in Mülheim an der Ruhr, traten Übungsszenarien zeitweilig zunächst in den Hintergrund. Am 07. Juli 2018 wurde nun wieder planmäßig eine Großübung der Einheiten der Feuerwehr-Bereitschaft Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und dem Technischen Hilfswerk (THW) durchgeführt.

QuelleseeAls Übungsort diente das Gelände am zukünftigen Quellesee in Bielefeld-Quelle. Neben dem Sammeln der Einheiten der Bereitschaft und der Kolonnenfahrt zum Einsatzort war der Schwerpunkt der Übung dieses Mal die Deichverteidigung im Rahmen des Hochwasserschutzes. Zusätzlich wurden interne Abläufe und die Verpflegung der gesamten Mannschaft der Bereitschaft durch den eigenen Logistikzug trainiert.

Als Übungssituation wurde angenommen, dass es seit Tagen ununterbrochen regnet. Die Kräfte der örtlichen Feuerwehr sind seit mehr als zwei Tagen damit beschäftigt Menschen vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen, Keller auszupumpen und technische Hilfe zu leisten. Viele Einsatzkräfte haben lange Zeit nicht geschlafen und die Kräfte schwinden als die Nachricht kommt, die viele befürchtet hatten: Ein Erkundungstrupp meldet, dass der Quellesee extrem angestiegen ist und befürchtet werden muss, dass die Deiche brechen. Aufgrund der angespannten Lage und der Erschöpfung der eigenen Kräfte entschließt sich der Einsatzleiter bei der Bezirksregierung Detmold Hilfe anzufordern. Nach Eingang des Hilfeersuchens veranlasst die Bezirksregierung Detmold die Alarmierung der Bereitschaft Bielefeld und die Bereitschaft des THW-Ortsverbandes Bielefeld, um sie in das betroffene Einsatzgebiet zu entsenden.

Die Alarmierung der Bereitschaft Bielefeld erfolgte am frühen Morgen um 5:30 Uhr. Gegen 6:30 Uhr sammelten sich die Übungsteilnehmer auf dem Hof der Hauptfeuerwache. Der Verpflegungszug der Löschabteilung Jöllenbeck verteilte hierbei frisch zusammengestellte Frühstückspäckchen an die Einsatzkräfte.

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Kurze Zeit später verließen die Fahrzeuge der Bereitschaft als Kolonne gemeinsam die Hauptfeuerwache. Die Fahrt führte zunächst unter anderem über ein Teilstück der Autobahn um die Kolonnenfahrt von 31 Einsatzfahrzeugen innerhalb und außerhalb der Stadt zu trainieren.

Im Anschluss erreichten die Fahrzeuge gegen 8:00 Uhr den Bereitstellungsraum „Gleisdreieck“ in Bielefeld-Brackwede. Hier nahmen die Züge Aufstellung und erhielten den Einsatzauftrag. Der Verbandsführer hat hierbei die Zugführer über die fiktive Lage am Einsatzort informiert. Parallel wurden die Übungsteilnehmer im Bereitstellungsraum von der JUH-Einsatzeinheit mit Kaffee und weiteren Getränken versorgt.

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Während der Anfahrt der Bereitschaft zum Bereitstellstellungsraum erreichten die Fahrzeuge des THW bereits den Einsatzort. Vor Ort erhielten die Helferinnen und Helfer des THW vom Zugführer den Einsatzauftrag, mit dem Befüllen von Sandsäcken zu beginnen.

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Ab 8:40 Uhr trafen dann die Züge der Bereitschaft Bielefeld mit ihren jeweiligen Fahrzeugen nacheinander am Einsatzort auf dem Gelände am zukünftigen Quellesee ein. Die Zugführer wurden bereits vom THW vor Ort empfangen und in die aktuelle Lage vor Ort eingewiesen. Nach Eintreffen aller Einheiten begannen neben den eigentlichen Tätigkeiten zur Erledigung des Einsatzauftrages parallel logistische Aktionen, wie z.B. die Einrichtung des Verpflegungsplatzes und die Versorgung mit Wasser durch die Verlegung einer längeren B-Schlauchleitung zum Abrollbehälter AB V-Dekon als Hygienestation.

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Zunächst beinhaltete der erste Einsatzauftrag der Bereitschaft Bielefeld das Befüllen von Sandsäcken. Bei hochsommerlichen Temperaturen von ca. 30 °C wurden bei dieser kräftezehrenden Aufgabe alle vorhandenen Einsatzkräfte eingebunden, schließlich galt es unzählige Sandsäcke mit jeweils 10 bis 12 kg Sand zu befüllen und auf Paletten zu stapeln. Die Paletten mit den befüllten Sandsäcken wurden von einem Radlader, fachlich als „Bergungsräumgerät“ vom THW bezeichnet, zum späteren Verwendungsort auf dem Gelände am Quellesee transportiert. Gegen 12:00 Uhr am Mittag waren ca. 4.000 Sandsäcke mit ca. 60 t Sand befüllt, genug Material für die weiteren anschließenden Übungsteile.  

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Nach der anstrengenden Arbeit gab es für alle Übungsteilnehmer zunächst ein leckeres Mittagessen, zubereitet von der Einsatzeinheit der JUH Bielefeld. Zubereitet wurde das Essen, wie im realen Katastropheneinsatz, mit dem Feldkochherd direkt am Einsatzort. Die Bereitschaft Bielefeld ist somit in der Lage, sich in den ersten 24 Stunden am Einsatzort völlig autark mit Verpflegung zu versorgen. Auch das Bewältigen dieser Logistikaufgabe zu proben, ist eines der Ziele dieser Übung gewesen.

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Am Nachmittag erfolgte an der Böschung des Sandgeländes, die als fiktiver Deich diente, an drei Stationen jeweils eine unterschiedliche Übungsaufgabe zum Thema Deichverteidigung. Es wurden von den Feuerwehreinsatzkräften drei verschiedene grundlegende Techniken zur Sicherung eines Deiches bei Hochwasser geübt, erkläutert und begleitet von den Fachberatern des THW.    

An der ersten Station wurde zur Sicherung des Deiches ein „Auflastfilter“ verwendet. Diese Technik wird angewendet, wenn ein Deich durchweicht ist und flächenhaft Sickerwasser aus der Deichböschung austritt. Durch die Stabilisierung des Deichkörpers mit Sandsäcken als Auflast bei gleichzeitiger Entwässerung des Deichkörpers durch einen Drainagefilter soll dabei ein drohender Deichbruch verhindert werden.

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Die zweite Station beinhaltete den Bau einer „Aufkadung“, die zum Erhöhen des Deiches bei drohender Überströmung durch Hochwasser aufgrund einer nicht mehr ausreichenden Deichhöhe dient. Hiermit wird ein Abtrag der Böschung durch überfließendes Wasser mit Deichbruch als Folge verhindert.

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Bestandteil der dritten Station ist das Anlegen einer „Quellkade“, die beim verstärkten punktförmigen Sickerwasseraustritt im unteren Bereich der Böschung des Deiches Anwendung findet, um einen Bodenaustrag aus dem Inneren des Deiches zu verhindern. Das aus dem Deichkörper austretende Wasser-Bodengemisch wird bei diesem Verfahren durch eine halbkreisförmige Stauung aus Sandsäcken aufgefangen und erzeugt dabei einen Gegendruck, der das weitere Ausströmen von Sickerwasser mit Sedimenten vermindert oder im Idealfall sogar ganz verhindert. 

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Bei Einsätzen der Bereitschaft Bielefeld ist immer die Fernmeldegruppe dabei, die für den Aufbau und die Bedienung des Abrollbehälters "AB-Einsatzleitung" als Zentrale der Bereitschaftsführung zuständig ist. Neben der Abwicklung des Funkverkehrs vor Ort wird beispielsweise auch eine Einsatzdokumentation durchgeführt. Hierzu kann die Fernmeldegruppe neuerdings eine mitgeführte Drohne für Dokumentaraufnahmen aus der Luft einsetzen.

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Gegen 16:30 Uhr wurde die mehrstündige Großübung erfolgreich beendet. Übungsleiter Sebastian Bend und Verbandsführer Peter Palsbröker zeigten sich zufrieden und bedankten sich abschließend bei allen Übungsteilnehmern für die geleistete Arbeit an diesem extrem warmen Sommertag. Insgesamt waren ca. 180 Einsatzkräfte an der Übung beteiligt, darunter jeweils 25 Helferinnen und Helfer vom THW und der JUH. 10 Beobachter begleiteten die Übung und verschafften sich einen Eindruck von den getroffenen Maßnahmen und der Zusammenarbeit der verschiedenen Einheiten vor Ort. Nachfolgend wird in den nächsten Tagen eine fachliche Auswertung der Übung erfolgen, um wertvolle Erkenntnisse für mögliche zukünftige Einsatzsituationen zu gewinnen. 

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