Feuerwehr übt Einsatzmaßnahmen bei Gefahrgutunfällen mit Verletzten

Am 06. Oktober 2018 trainierte die Feuerwehr Bielefeld die Einsatzmaßnahmen, die bei einem Gefahrgutunfall mit verletzten Personen zu treffen sind. Als Übungsobjekt diente das großflächige Betriebsgelände der Spedition Kühne + Nagel an der Ludwig-Erhard-Allee, das täglich von ca. 400 LKWs im Rahmen des Transportes verschiedenartiger Güter angefahren wird. Die Sicherheit ist dem Unternehmen dabei äußerst wichtig, gerade wenn es sich um einen Transport von gefährlichen Gütern, wie beispielsweise Spraydosen, Farben und Lacke, Klebstoffe oder Reinigungsmittel handelt. Trotz größter Sicherheitsvorkehrungen kann ein Unfall beim Transport dieser Stoffe nicht völlig ausgeschlossen werden, daher müssen Feuerwehr, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen auf solch einen möglichen Ernstfall vorbereitet sein.

Die wichtigsten Ziele der Übung bestehen aus der Zusammenarbeit der Einheiten von Feuerwehr, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen, insbesondere mit den Einsatzkräften der ABC-Gefahrenabwehr der Feuerwehr. Hierbei werden neben der Dekontamination von verletzten Personen, der Aufbau einer strukturierten Patientenablage und die leitliniengerechte Versorgung von Patienten geprobt. 

Als Übungsszenario wurde angenommen, dass in der Lagerhalle der Spedition ein Gabelstapler über ein Paket mit Reinigungsmittel gefahren ist und es hierdurch zu einem Austritt von Gefahrstoffen kommt. Zwei Betriebsangehörige werden dabei in Form von Verätzungen an Oberkörper und Extremitäten verletzt, zwei weitere Kollegen versuchen ihnen zu helfen und verletzen sich dabei ebenfalls. Dargestellt wurden diese „Verletzten“ von Mitgliedern der DLRG, die vom Team der Realistischen Unfalldarstellung täuschend echt aussehende Verletzungen geschminkt bekamen und sich realitätsnah verhielten.    

1 2 3 4 5 6 7 8 9

Nach Eintreffen des Notrufs alarmierte die Leitstelle der Feuerwehr Bielefeld aufgrund der gemeldeten Lage unter dem Stichwort „Technische Hilfe ABC2 mit Dekon“ die betreffenden Einheiten von Feuerwehr und Rettungsdienst. Als der zuerst eintreffende Rettungswagen zusammen mit der Löschabteilung Heepen vor Ort eintraf, klagten zunehmend mehrere Personen, die sich in der Nähe des Unfalls aufhielten, über Reizungen der Atemwege und Luftnot. Diese Situation veranlasste die ersten Einsatzkräfte, über die Leitstelle einen ManV-Alarm (Massenanfall von Verletzten) der Stufe 1 auszulösen. 

1 2 3 4 5 6 7 8 9a

Priorität hatte zunächst die Rettung der verletzten Personen aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich durch einen mit umluftunabhängigem Atemschutz ausgerüsteten Angriffstrupp der Feuerwehr. Während die verletzten Personen von Einsatzkräften des Rettungsdienstes und der Feuerwehr durch Erstmaßnahmen versorgt und betreut wurden, bauten die Einheiten der ABC-Abwehr die entsprechenden mobilen Anlagen zur Dekontamination von verletzten Personen und eingesetzter Einsatzkräfte auf. Parallel betraten zwei Trupps der Feuerwehr in Chemikalienschutzanzügen die Speditionshalle. Ein Trupp der ABC-Erkunder nahm dabei Proben der austretenden Flüssigkeit um den betreffenden Stoff analysieren zu können. Der zweite Feuerwehrtrupp war damit beschäftigt, die ausgelaufene Flüssigkeit durch Bindemittel abzustreuen.

1 2 3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16 8a 18
1 2 3 4 5 6 7 8 9
1 2 3 4 5 6 7 8 17

Nachdem die mobilen Anlagen zur Dekontamination komplett aufgebaut und betriebsbereit waren, wurden die verletzten Personen nacheinander in der Dekontaminationsanlage für Verletzte (Dekon V) durch intensive Dusch- bzw. Waschvorgänge mit erwärmtem Wasser von den Resten der ausgetretenen Flüssigkeit gereinigt. Im Anschluss führte ein Notarzt jeweils eine Sichtung durch, bevor die dekontaminierten Personen der Patientenablage zur medizinischen Erstversorgung durch Personal des Rettungsdienstes zugeführt wurden.

1 2 3 4

5

6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 32 33 34 35 36

 Alle Einsatzkräfte, die in Vollschutzanzügen an der Einsatzstelle tätig waren und somit möglicherweise kontaminiert sind, wurden gegen Einsatzende in der aufgebauten Dekontaminationsanlage für Personen (Dekon P) durch spezielle Dusch- und Waschvorgänge von anhaftenden Resten der Gefahrstoffe gereinigt. 

1 2 3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13          

Nach Übungsende folgte ein gemeinsames Mittagessen aller Übungsteilnehmer vor Ort, zubereitet von der Einsatzeinheit der Bielefelder Johanniter-Unfall-Hilfe. Neben einem leckeren Essen bot diese Verpflegungspause auch die Gelegenheit, dass sich die Übungsteilnehmer der verschiedenen Einsatzeinheiten untereinander kennenlernten. 120 Einsatzkräfte nahmen insgesamt an der Übung teil, darunter Personal von 7 Löschabteilungen der Freiwilligen Feuerwehr, der Hauptfeuerwache und Wache Nord, sowie der Rettungsdient gGmbH, den Hilfsorganisationen und weiteren Beteiligten. Bedingt durch die Einbindung von Personal der Berufsfeuerwehr haben die Löschabteilungen Gellershagen und Schildesche während der Übungsdurchführung die Hauptfeuerwache bzw. Feuerwache Nord vertretungsmäßig besetzt um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.

1 2 3 4 5 6 7 8

Abschließend wird nun in den kommenden Tagen anhand von detaillierten Notizen und Fotos zahlreicher fachkundiger Beobachter der Übung eine umfangreiche fachspezifische Auswertung des Übungsablaufes erfolgen. 

6

Back to Top